Was ist und wie schreibt man eine Rezension?

 

Der Begriff Rezension (so lesen wir in den einschlägigen Wörterbüchern) leitet sich vom lateinischen Wort recensio ab und bedeutet so viel wie Prüfung oder Bestandsaufnahme. Manche verweisen auch auf das lateinische Wort recensere und geben dessen Übersetzung mit erzählen und zusammenstellen an. Eine Rezension wäre demnach eine qualitative Überprüfung in erzählender Form und Manier.

Rezensionen beziehen sich meist auf Bücher, oftmals aber auch auf kulturelle Ereignisse wie Ausstellungseröffnungen (in Museen oder Galerien), Theateraufführungen, Konzerte, Ballett- oder Opernaufführungen, neue Filme oder architektonisch interessante Gebäude. Außerdem werden bisweilen auch innovative wissenschaftliche Ergebnisse rezensiert, und selbst so manche extravagante Modeschau irgendwo in Mailand oder Paris findet ihre begeisterten oder enttäuschten Rezensenten.

Eine Rezension umfasst häufig nur wenige Seiten geschriebenen oder gesprochenen Text – wobei sich Rezensionen vom Umfang her selten einmal auswachsen und dann zum Essay mutieren. Inhaltlich kennen Rezensionen verschiedene Schwerpunkte: Die Charakteristik erläutert einen Sachverhalt, ein Kunstwerk, einen Aufführungsstil, ein literarisches Ergebnis, die Biographie oder das Werk eines Autors, einer Künstlerin und stellt diese in einen größeren historischen, geistesgeschichtlichen, sprachlichen oder sonstigen Zusammenhang ein. Die Kritik hingegen enthält Geschmacksurteile und Wertungen – hier dürfen und sollen die Perspektive des Rezensenten, seine Vorlieben und Meinungen und seine Denkschule spürbar werden.

Rezensionen sind öffentliche Verlautbarungen, die Informationen vermitteln und zugleich Debatten, Kontroversen, nachdenkliche Reflexionen anstoßen. An gut geschriebenen Rezensionen lernen Leser oder Hörer enorm viel über Kunst, Literatur, Philosophie, Wissenschaft und Kultur ganz generell – und dies in Bezug auf die mitgeteilten Fakten ebenso wie hinsichtlich der Urteile und Wertungen, die sie beileibe nicht immer teilen müssen oder sollen, sondern an denen sie selbst ihre autonome Urteilskraft entwickeln und schärfen können.

Die Tradition von Rezensionen reicht Jahrhunderte zurück. Bekannt geworden ist etwa die Literarische Korrespondenz von Melchior Grimm im 18. Jahrhundert. Die Literarische Korrespondenz war ein Periodikum, eine Zeitschrift, die 14-tägig oder auch monatlich erschien und in deutscher Sprache über die kulturellen Neuigkeiten aus Frankreich berichtete. Mitte des 18. Jahrhunderts gab es viele Gazetten in Frankreich, die sich der Erfassung und Beurteilung von Literatur und anderen kulturellen Ereignissen widmeten. Allerdings war die Säuglingssterblichkeit dieser Spezies ziemlich hoch; die meisten Journale überlebten allenfalls die ersten Nummern und wurden rasch wieder eingestellt. Die höchste Lebensdauer erreichte bisher der Mercure, der als Mercure galant 1672 gegründet wurde und als Mercure de France bis auf den heutigen Tag besteht. Die Literarische Korrespondenz wurde von Melchior Grimm (ein deutscher Journalist, der in Paris lebte) vier Jahrzehnte lang (1753-1793) beinahe als Ein-Mann-Betrieb aufrechterhalten; Goethe las das Qualitätsblatt ebenso wie Katharina II. von Russland oder Christian VII. von Dänemark.

Eine in mancher Hinsicht vergleichbare literarisch-kulturelle Zeitschrift der Jetztzeit ist etwa The New York Review of Books. Allerdings ist dieses Periodikum (das sich bereits seit sechs Jahrzehnten großer Beliebtheit erfreut und weltweit von über 150.000 Abonnenten gelesen wird) mitnichten ein Ein-Mann-Betrieb, und bei einigen Rezensionen sehnt sich der Leser nach dem überaus lebendigen, entschieden subjektiven und teils überaus witzigen Schreibstil von Melchior Grimm zurück.

Wie und was wollen wir hier auf unserer Seite rezensieren? Sowohl das Wie als auch das Was lässt sich mit Voltaire beantworten, der einmal meinte: „Jede Art zu schreiben ist erlaubt – nur nicht die langweilige.“ Jedes kulturelle Phänomen – von der literarischen Neuerscheinung über ein bewegendes Konzert beispielsweise im Pierre Boulez-Saal (in Berlin) bis zu den Kunstwerken von Expressive Arts-Künstlern – kann potentiell rezensiert werden, wobei tiefenpsychologische, philosophische, anthropologische Gesichtspunkte dabei gerne eine Rolle spielen dürfen. Punktgenaue Kürze und schmunzelnde Formulierungen sind ebenso erwünscht wie die Auswüchse eines Essays – nur langweilig darf all das nicht sein oder werden.