Das lyrische Werk Bertolt Brechts

Datum: 27.12.2012

Autor: Ulrich Kittstein

Rezensent:  Gerhard Danzer

 

Ulrich Kittstein: Das lyrische Werk Bertolt Brechts. J.B. Metzler-Verlag Stuttgart 2012, 378 Seiten.
Die meisten kennen Bertolt Brecht (1898-1956) als Theaterautor und Dramatiker. Mit Stücken wie Baal, Trommeln in der Nacht, Im Dickicht der Städte, Die Dreigroschenoper, Die heilige Johanna der Schlachthöfe, Mutter Courage und ihre Kinder, Das Verhör des Lukullus, Der gute Mensch von Sezuan, Herr Puntila und sein Knecht Matti, Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui, Schweyk im Zweiten Weltkrieg oder Der kaukasische Kreidekreis sowie mit seiner Theorie des epischen Theaters wurde der Autor weltberühmt.

Weniger bekannt, wenngleich qualitativ mindestens ebenso hoch stehend, wurde der Lyriker Bertolt Brecht. Abgesehen von einigen seiner oft zitierten Liedertexte oder populären Gedichte (Alabama Song, An die Nachgeborenen, Die Lösung, Kinderhymne) denkt man, wenn es um die deutschsprachige Lyrik des 20. Jahrhunderts geht, eher an Poeme von George, Rilke, Trakl oder Hofmannsthal, nicht aber an den in Augsburg geborenen Dichter.

Dabei beschäftigte sich Brecht schon in seiner Geburtsstadt und vor allem später in Berlin (also in den zwanziger Jahren) intensiv mit der Kunstform des Gedichts. 1926 veröffentlichte er Bertolt Brechts Hauspostille – eine Lyriksammlung, die bereits den typischen Brecht-Stil erkennen lässt – ein Stil, der vom römischen Poeten Horaz (den Brecht besonders schätzte) ebenso wie von chinesischen Lehrgedichten mit geprägt ist, und welchen der Dichter in den kommenden Jahren systematisch weiter verfeinerte.

Ausgesprochen gelungen sind Brechts Svendborger Gedichte (benannt nach dem dänischen Exil-Ort des Dichters auf der Insel Fünen), die Steffinsche Sammlung (benannt nach einer Geliebten Brechts) sowie die Buckower Elegien (benannt nach einem kleinen Ort in Brandenburg, in dem Brechts Sommerhaus stand). Diese Gedichtsammlungen ebenso wie viele andere Poeme des Dichters werden von Ulrich Kittstein, Professor für Neuere deutsche Literaturwissenschaften in Mannheim, überaus kundig erörtert und in den größeren Zusammenhang einer Brecht’schen Werkanalyse eingestellt.