Es war einmal – Die wahren Märchen der Brüder Grimm und wer sie ihnen erzählte

Datum: 04.04.2012

Autor: H. Rölleke, A. Schindehütte (Hrsg.)

Rezensent:  Gerhard Danzer

 

Heinz Rölleke und Albert Schindehütte (Hrsg.):  Es war einmal – Die wahren Märchen der Brüder Grimm und wer sie ihnen erzählte. Die andere Bibliothek, Frankfurt am Main 2011, 440 Seiten, Eur 99,00

Mit der Formel „Es war einmal“ sind wohl die meisten von uns seit ihrer Kindheit vertraut. Die wenigsten allerdings werden wissen, dass es genau zweihundert Jahre sind, die seit dem Ersterscheinen der Grimmschen Märchen (1812) vergangen sind, und dass es sich beim Märchenbuch der Brüder Grimm um das meistübersetzte und meistaufgelegte Buch der deutschen Literaturgeschichte handelt.

Im Laufe der beiden letzten Jahrhunderte sind die ursprünglich oft mündlich den Brüdern Grimm übermittelten Märchen meist nur noch in der schriftlichen Version weitergegeben worden; die Urfassung – häufig eine rohere oder in sich widersprüchlichere Variante der letztlich publizierten Texte – ging nicht selten verloren.

Die beiden Herausgeber Heinz Rölleke und Albert Schindehütte haben sich nur der Mühe unterzogen, die Urfassungen der bekanntesten Grimmschen Märchen zu eruieren und sie – wie immer in der Anderen Bibliothek – in einer überaus bibliophilen Aufmachung neu zu publizieren. In der hier edierten Erstfassung von 1812 werden die Märchen noch in jener Fassung präsentiert, welche die Zuträger dem Philologen-Paar Jacob und Wilhelm Grimm zukommen ließen. Hinter ihren gefälligeren Versionen wird damit das ursprüngliche Repertoire der Beiträger kenntlich gemacht.

Heinz Rölleke ist dabei in die Rolle des Erzählers geschlüpft, und Albert Schindehütte hat mit seinen Kalligraphien für eine außergewöhnlich prächtige Illustration des Textes gesorgt. Wer zukünftig in die Verlegenheit kommt, seinen Kindern oder Enkeln Märchen der Brüder Grimm vorlesen zu wollen oder zu sollen, kann getrost zur Ausgabe in der Anderen Bibliothek greifen – vor allem auch deshalb, weil er in den klugen Kommentaren zu den Märchentexten manches erfährt, was ihm eine adäquate Distanzierung zu den nicht immer gewaltfreien Geschehnissen der angeblich ach so trauten Märchenwelt erlaubt.