Anthropologie und Geschichte – Studien zu Wilhelm Dilthey aus Anlass seines 100. Todestages.

Datum: 07.03.2016

Autor: Giuseppe d’Anna, Helmut Johach & Eric S. Nelson (Hrsg.)

Rezensent:  Gerhard Danzer

 

Giuseppe d’Anna, Helmut Johach & Eric S. Nelson (Hrsg.): Anthropologie und Geschichte – Studien zu Wilhelm Dilthey aus Anlass seines 100. Todestages. Verlag Königshausen & Neumann, Würzburg 2013, 506 Seiten.

Wilhelm Dilthey (1833-1911) gehörte neben Friedrich Nietzsche und Henri Bergson zu den bekanntesten und wichtigsten Vertretern der sogenannten Lebensphilosophie. Mit dieser Richtung der Philosophie werden Ansätze des philosophischen Denkens bezeichnet, bei denen das Phänomen des Lebens nicht nur naturwissenschaftlich begriffen, sondern auch in seinen kreatürlichen, irrationalen und triebhaften sowie seelischen und geistigen Facetten beschrieben und verstanden werden sollte.
Ausgehend von den beiden Dimensionen menschlichen Lebens – der materiell-biologischen einerseits und andererseits der seelisch-geistig-biographischen – entwickelte Wilhelm Dilthey analog und gleichzeitig in Abgrenzung zu den Naturwissenschaften eine Theorie und Methodologie der Geisteswissenschaften. Die Schriften des enzyklopädisch gebildeten Philosophen wurden zu grundlegenden und bis heute oft zitierten Texten, welche die Psychologie, Literatur- und Geschichts- sowie die Kulturwissenschaften generell nachhaltig prägten und beeinflussten.
Der hier angezeigte Band versammelt dreißig Abhandlungen zur Philosophie Diltheys sowie zu den von ihr angestoßenen Konsequenzen in den verschiedenen Wissenschaften vom Menschen. Ausgehend von einem zentralen Satz Diltheys – „Was der Mensch sei, sagt ihm nur seine Geschichte“ – verfolgen einige Beiträger die Einflüsse des Philosophen auf die Historiographie. Andere Aufsätze kreisen um Begriffe wie Leben und Wissen, und wieder andere Beiträge sind den Themen Anthropologie, Pädagogik und Hermeneutik gewidmet. Vor allem die Letztere (die Kunst des Verstehens) hat Dilthey wesentlich formuliert und gestaltet – bedeutet sie doch das generelle methodische Fundament der Geistes- und Kulturwissenschaften, in denen dem Philosophen zufolge nicht wie in den Naturwissenschaften das Erklären, sondern das Verstehen als Methode des Erkenntnisgewinns im Mittelpunkt steht.
Der vorliegende Sammelband bietet mit seinen kenntnisreichen Abhandlungen einen verlässlichen Zugang zur Denkwelt des Philosophen, der jedem Dilthey-Interessierten als Studienlektüre uneingeschränkt empfohlen werden kann.