Handbuch der Literatur und Philosophie 2012

Datum: 15.02.2013

Autor: Hans Feger (Hrsg.)

Rezensent:  Gerhard Danzer

 

Hans Feger (Hrsg.): Handbuch der Literatur und Philosophie. J.B. Metzler Verlag, Stuttgart 2012, 353 Seiten.
Literatur und Philosophie sind zwei durchaus unterschiedliche Weisen des Nachdenkens über und des Erkennens und Ausdrückens von Wirklichkeit. In manchen Epochen der neueren Kulturgeschichte wurden die diversen Unterschiede, in anderen Zeiten hingegen auch die Überlappungen und gegenseitigen Bezugnahmen von Literatur und Philosophie betont.

Im 20. Jahrhundert konnte man anhand konkreter Literaten und Philosophen demonstrieren, wie sehr beide Zugangswege zur Realität voneinander profitieren oder ineinander übergehen können. Man denke nur an die französischen Existentialisten Jean-Paul Sartre, Albert Camus (der sich stets weigerte, als Existentialist bezeichnet zu werden), Simone de Beauvoir oder an die österreichischen Schriftsteller Robert Musil und Hermann Broch: Die Ersteren kann man aufgrund ihres Oeuvres mit demselben Recht als Literaten (Dramatiker, Epiker) denn als Philosophen bezeichnen, und umgekehrt wälzten Broch und Musil in ihren Romanen schwerwiegende philosophische Probleme.

Ähnlich wie an diesen Personen lässt sich die Überschneidung von Literatur und Philosophie auch am Stil von Texten darstellen. Arthur Schopenhauer, Sören Kierkegaard oder Friedrich Nietzsche gelten als Philosophen; untersucht man jedoch den Stil ihrer Texte, kommen sie durchaus als dichterisch Hochbegabte in Betracht. Zwei ihrer dichtenden Zeitgenossen dagegen (Lessing und Schiller) beherrschten den nüchtern-klaren Stil philosophischer Abhandlungen – wobei sie nicht nur stilistisch, sondern auch inhaltlich auf dem Terrain der Denker beheimatet waren.

So lassen sich viele Parallelen, Bezugnahmen, Einflüsse und Überlappungen zwischen der Dichtkunst und den Literaten einerseits und der philosophischen Spekulation der bestallten Denker andererseits aufzeigen. Vor allem in den letzten beiden Jahrhunderten gab es in dieser Hinsicht ein mächtiges Aufeinander-Zuwachsen zu beobachten, das zur gegenseitigen Anregung und Befruchtung genutzt wurde.

Das vorliegende Handbuch informiert über alle diese Personen und Kulturepochen in der von den Metzler-Handbüchern bestens bekannten und bewährten hohen Qualität hinsichtlich Information und Einordnung der beschriebenen Phänomene. Überschaubare Literaturhinweise ergänzen diesen empfehlenswerten Band.