Person – Anthropologische, phänomenologische und analytische Perspektiven

Datum: 11.04.2014

Autor: Inga Römer & Matthias Wunsch (Hrsg.)

Rezensent:  Gerhard Danzer

 

 

Inga Römer & Matthias Wunsch (Hrsg.): Person – Anthropologische, phänomenologische und analytische Perspektiven. Mentis-Verlag, Münster 2013, 411 Seiten.

Seit einigen Jahrzehnten gewinnt der Begriff der Person immer mehr an Bedeutung. Im Bereich von Philosophie und Anthropologie, aber auch in Anwendungsfeldern wie Medizin, Psychologie und Pädagogik trifft man zunehmend auf Konzepte und Abhandlungen, die um den Terminus Person angesiedelt sind und sich um eine theoretische Klärung dieses Begriffes ebenso wie um konkrete Veränderungspotentiale kümmern, die (z.B. in der Heilkunde, Psychotherapie oder in der Pädagogik) von ihm initiiert werden.

Zur Tradition der Phänomenologie (Edmund Husserl) sowie der philosophischen Anthropologie (Max Scheler, Helmuth Plessner) gehört es bereits seit etwa einem Jahrhundert, die menschliche Personalität zu reflektieren. Merklich weniger intensiv wurde dieser Terminus im Bereich der analytischen Philosophie bedacht – ein Manko, dem im Rahmen des vorliegenden Sammelbandes mittels einiger Beiträge etwas Abhilfe geschaffen wird.

Neben der Berücksichtigung analytisch-philosophischer Ansätze zur Personalität finden sich im besprochenen Sammelband vor allem Essays mit konkreten Bezügen zur Lebenswelt und zum Alltag von Menschen. So behandeln einzelne Aufsätze Themen wie Person-Begriff und Bioethik; Person und Empathie; Organismus und Person; Interpersonalität; Personalität und Melancholie.

Da sich im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts nicht nur Philosophen und Anthropologen, sondern auch Ärzte und Psychologen an einer Konzeptualisierung der menschlichen Person versuchten, nimmt im Sammelband über Person eine Abhandlung auch explizit auf deren Beiträge Bezug. Friedrich Kraus, Theodor Brugsch, Erwin Straus oder Kurt Goldstein etwa formulierten eine Biologie der Person (so der Titel eines vierbändigen Werks, das von dem Internisten Theodor Brugsch und dem Neurologen Friedrich Heinrich Lewy in den Jahren zwischen 1926 und 1931 verfasst wurde), um sich dem Selbst und der Individualität von Menschen zu nähern.

Der vorliegende Sammelband ist hinsichtlich der Vielfalt der darin vertretenen Positionen zur Personalität eine wertvolle Bereicherung der eingangs erwähnten Personalismus-Debatte. Es wäre daher schön, wenn sich die Herausgeber bald zu einem Folgeband entschließen könnten, in dem sie weitere Gesichtspunkte zum Person-Begriff und vor allem zum angewandten Personalismus erörtern. Zu denken wäre etwa an Essays über Person und Geschichte; Personale Historiographie; Personale Politik; Personale Soziologie; Person und Poesie; Kunst und Personalität; Kultur- und Mentalitätsgeschichte der Person. Liebe Herausgeber und Beiträger: Es gibt zu tun!