Thomas Mann – Studien, statt einer Biographie

Datum: 07.03.2016

Autor: Helmut Koopmann

Rezensent:  Gerhard Danzer

 

Helmut Koopmann: Thomas Mann – Studien, statt einer Biographie. Verlag Königshausen & Neumann, Würzburg 2016, 571 Seiten.

Helmut Koopmann, geboren 1933, war lange Zeit Professor für Neuere deutsche Literaturwissenschaft in Augsburg. Der seit 2001 emeritierte Forscher hat sich in seinem langen Gelehrtenleben schwerpunktmäßig mit Goethe, Friedrich Schiller, Heinrich Heine, dem Jungen Deutschland, Heinrich von Kleist sowie mit Bertolt Brecht und den Brüdern Heinrich und Thomas Mann beschäftigt.
Der vorliegende Band vereinigt Aufsätze Koopmanns zu Thomas Mann aus den letzten 25 Jahren, die zu den unterschiedlichsten Anlässen entstanden, und die der Autor trotz des langen Zeitraums ihrer Entstehung zu kohärenten größeren Einheiten zusammengefasst hat. So befassen sich allein fünf Abhandlungen mit Thomas Manns Roman Der Zauberberg, wobei vor allem der Text Wer ist Settembrini? – Über Name und Identität einer Figur aus Thomas Manns Zauberberg sowie die Aufsätze über die Naturphilosophie im Zauberberg tiefschürfende Überlegungen zu dem (nach Buddenbrooks) wohl bekanntesten Romanwerk Manns bieten.
Weitere thematische Blöcke bilden die Aufsätze über Joseph und seine Brüder sowie diejenigen über Doktor Faustus. In Joseph und seine Brüder hatte sich Thomas Mann einer längst vergangenen Zeit, der mythologischen Welt des Alten Testaments, zugewendet. Dabei zeigte er, wie sehr die jahrtausendealten Motive der Mythen bis in die Neuzeit und Moderne hinein nachweisbar geblieben sind, und wie sehr das aufgeklärte Leben von uns Heutigen mit mythischen Elementen durchflochten ist und bleiben wird. In Doktor Faustus demonstrierte Mann, dass manche der alten und archaischen Mythen im 20. Jahrhundert auf desaströseste und destruktivste Manier (in Form des Totalitarismus) reaktiviert wurden
Neben den Abhandlungen zu den einzelnen Romanwerken Thomas Manns finden sich im angezeigten Buch auch Aufsätze zur Beziehung des Dichters zu manchen seiner prominenten Zeitgenossen. Koopmann untersuchte hierbei etwa das Verhältnis von Thomas zu Heinrich Mann sowie die Beziehungen von Thomas Mann mit Samuel Fischer (seinem Verleger), Bertolt Brecht (mit den Mann eine stabile Feindschaft verband, und über den er trotz allem meinte: „Das Scheusal hat Talent!“) und Franz Werfel. Ein reichhaltiger Sammelband, der für Thomas-Mann-Liebhaber eine Fülle überaus interessanter und belehrender Informationen bereithält.