Alfred Adler – Die Vermessung der menschlichen Psyche

Datum: 05. Januar 2020

Autor: Alexander Kluy

Rezensent:  Gerhard Danzern

Alexander Kluy: Alfred Adler – Die Vermessung der menschlichen
Psyche. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2019, 429 Seiten.

Runde Geburts- und Todestage von mehr oder minder prominenten Künstlern, Wissenschaftlern, Philosophen, Politikern oder Wirtschafts- Magnaten verleiten nicht wenige Autoren und Verlage dazu, rechtzeitig vor dem jeweiligen Jubeltag mit einer entsprechenden Biographie des Jubilars aufzuwarten. So dürfen wir 2020 mit Lebens- und Werkbeschreibungen beispielsweise von Beethoven (250. Geburtstag), Friedrich Engels (200. Geburtstag), Raffael (500. Todestag) sowie auch … Alfred Adler (150. Geburtstag) rechnen – mit Biographien also, die zum Teil bereits in die Tat umgesetzt wurden und erschienen sind.

So auch die hier angezeigte Lebensbeschreibung Alfred Adlers, die mit dem Untertitel Die Vermessung der menschlichen Psyche versehen wurde. Adler, dessen Individualpsychologie lange Zeit im Schatten der Psychoanalyse Sigmund Freuds stand und immer noch steht, ist es nicht nur aufgrund seines 150. Geburtstags wert, sowohl hinsichtlich seines Lebenslaufs als auch in Bezug auf sein Werk ausführlich gewürdigt und im Hinblick auf dessen zukunftsweisende Akzentsetzungen umfassend dargestellt zu werden.

Auf einen dieser Akzente möchte ich gesondert hinweisen: Adler war aufgrund seiner philosophisch-anthropologischen Orientierung der festen Überzeugung, dass Seelisches am Menschen (was immer dies im Detail sein mag) auf Sinn, Wert und Bedeutung ausgerichtet ist. Solange diese Ausrichtung keine wesentlichen Einschränkungen erfährt, befinden sich die Betreffenden auf dem Weg von Wachstum und Entwicklung. Gibt es hingegen längere Phasen der Stagnation oder Regression, führt dies zu Unterbrechungen oder zum Abbruch von Bildungsprozessen, womit die
Gefahr für das Auftreten von körperlichen oder psychosozialen Störungen und Erkrankungen gegeben ist. Psychotherapie, Psychohygiene, Psycho- Edukation im Sinne Alfred Adlers sind deshalb stets auf Sinn- und Wert- Horizonte orientiert – ein Gedanke, der bereits 1933 in Adlers Buch über Der Sinn des Lebens eine zentrale Rolle spielt.

Es gehört zu den Verdiensten der Adler-Biographie von Alexander Kluy, an diesen oftmals unterschätzten Pionier der Tiefenpsychologie zu erinnern und zugleich auf einige seiner wesentlichen Grundideen zum menschlichen Dasein aufmerksam zu machen.