Die Frauen Sigmund Freuds

Datum: 03.03.2016

Autor: Appignanesi, Lisa; Forrester, John

Rezensent:  Gerald Mackenthun

 

Lisa Appignanesi & John Forrester: Die Frauen Sigmund Freuds. Aus dem Englischen von B. Rapp und Uta Szyszkowitz. List Verlag, München Leipzig 1994 (engl. Freud’s Women, 1992), 773 S. m. Register.

Freuds Verhältnis zu Frauen ist komplex und vielschichtig. Im Rahmen seiner psychoanalytischen Bewegung arbeiteten hochintelligente Frauen mit, denen Freud Hochachtung und Dankbarkeit entgegenbrachte. In seinen Schriften hingegen entwarf Freud ein gänzlich anderes Bild. Hier tauchen Frauen nur als misslungene Männer auf, da ihnen der Penis fehlt. Seine Thesen über Frauen wurden damals schon in aller Deutlichkeit kritisiert, dennoch haben zwei Generationen eigentlich gescheiter Frauen darunter gelitten, dass es ihnen angeblich am „vaginalen Orgasmus“ mangelt.
Immerhin war die Psychoanalyse – mit Ausnahme ihrer Anfangsjahre – vor allem ein Frauenberuf, und Freud hatte einige herausragende und kluge Mitstreiterinnen, deren Intelligenz er anerkannte und die er charmant umwarb. Die Autoren Lisa Appignanesi und John Forrester, sie ist Schriftstellerin und Literaturdozentin, er ist einer in Cambridge lehrender Freud-Forscher, lassen keinen Zweifel an der bedenkliche Dissonanz zwischen Freuds Leben und seinem Werk, wenn sie sich daran machen, Die Frauen Sigmund Freuds vorzustellen.
Das Buch von beträchtlicher Größe und Umfang beginnt mit Freuds Mutter und seinen Schwestern und findet in seiner Brautwerbung und der Heirat mit Martha Bernays einen ersten Höhepunkt. Die Fragwürdigkeit seines patriarchalischen Auftretens leuchtet hier schon auf. Tiefgründig wird die Stellung und Rolle der sogenannten Hysterikerinnen aufgezeigt, die Freuds erste Patientinnen waren und seiner Theorie entscheidende Impulse gaben. Ihre Krankheit, die Hysterie, war sowohl Produkt als auch Gegenwehr gegen eine patriarchalische Gesellschaft. Die gesellschaftliche „Produktion” von Hysterikerinnen hat Freud jedoch nie wirklich ins Kalkül gezogen; seine Psychoanalyse war im Grundsatz immer Individualanalyse unter Ausblendung der sozialen Situation.
Der Fall Anna O. (Bertha Pappenheim) war das Verpuppungsstadium der „Redekur”, die sich später zum bunt schillernden Schmetterling der Psychoanalyse entfalten sollte. Freuds Freund und Mentor Breuer hatte am 7. Juni 1882 die Behandlung von Anna O. einem Tag auf den anderen abgebrochen, angeblich, wie Freud 50 Jahre später schrieb, weil die Patientin in einem hysterischen Anfall behauptete, von Breuer ein Kind zu bekommen. Freud selbst behandelte Anna O. nie, und die Geschichte von der Scheinschwangerschaft ließ sich nie verifizieren. Wahrscheinlich, so mutmaßen Appignanesi und Forrester, habe sich Freud geirrt oder er wollte Breuer in seiner Funktion als Arzt herabsetzen, um sein Licht als unerschrockener Pionier der Psychoanalyse heller strahlen zu lassen. Jedenfalls scheint das energische und einflussreiche Leben, das Bertha Pappenheim sich später schuf, erstaunlich weit entfernt von der hysterischen Episode ihrer jungen Erwachsenenjahre zu sein. Später stand sie der Psychoanalyse skeptisch gegenüber: Sie sei ein zweischneidiges Schwert, meinte sie, je nachdem, wer sich ihrer bedient.
Man mag sich wundern, dass eine weitere Initialzündung der Psychoanalyse, die Traumdeutung von 1900, in diesem Buch eine breite Erörterung erfährt, doch ist dies gerechtfertigt, da in „Irma”, der Zentralfigur seines zentralen Traumes, sich drei für Freud wichtige Frauen verdichten. Das alles wird von den beiden Autoren klug und ausführlich auseinandergesetzt. Das Hauptmotiv des Traumes ist übrigens keineswegs das einer Wunscherfüllung, jedenfalls nicht von Freud, allenfalls von einem Arzt namens Otto, der die falsche Injektion setzte, an der Irma (im Traum) erkrankt. Freud scheint sich in dem Traum eher rechtfertigen zu wollen, er möge an den Schwierigkeiten seiner Patienten Irma nicht schuldig sein. Warum Freud auf dem Traum als Wunscherfüllung beharrte, bleibt auch nach den klugen Ausführungen von Appignanesi und Forrester unbeantwortet.
Ebenfalls ohne befriedigende Aufhellung bleibt die rätselhafte Wendung Freuds in der sogenannten Verführungstheorie. Er glaubte zunächst erkannt zu haben, dass alle seine Patientinnen vor der Puber-tät vom Vater sexuell belästigt worden waren. Freud drängte seine Patientinnen, sich an frühen sexuellen Missbrauch zu erinnern, und als das nicht gelang, diese vielmehr zu diesem Punkt schwiegen, ließ er von der Verführungstheorie ab. Von nun an behauptete er, kleine Mädchen wollten von ihren Vätern geschwängert werden – die Geburtsstunde der Ödipus-Komplex-Theorie. Mit welchem faktischen Material Freud diese Wendung vollzog, blieb bis heute im Dunkeln. Man muss wohl das gesamte Thema – die Verführungstheorie, die Abkehr davon und den Ödipus-Komplex – als Spekulation behandeln.
Freuds Hypothesen waren um 1900 vor allem sexueller Art, angewandt auch im „Fall Dora”. Freud wa-ren seine sexualisierten Deutungen wichtiger als die konkrete Person, die er behandelte, und so scheiterte die Behandlung dieses Falles, wie überhaupt die Erfolgsquote der Analyse immer recht bescheiden blieb. Ida Bauer, so der richtige Name von „Dora”, entzog sich dem sexuellen Treibhausklima der Freudschen Redekur auf eine anständige und erwachsende Weise. Den schwierigen Fall stellen die beiden Autoren kongenial und facettenreich vor.
Elise Gombertz, Anna von Vest, Marie von Ferstel – so hießen einige von Freuds weiteren frühen Patientinnen, die an unterschiedlichen Beschwerden litten. Für Paranoikerinnen legte er eine mitfühlende Aufmerksamkeit an den Tag, obwohl er ihnen meist nicht helfen konnte. Von jeder seiner Therapien behauptete er, dass sie der Versuch seien, verdrängte Liebe zu befreien, die in einem Symptom einen kümmerlichen Kompromiss und Ausweg gefunden hatte.
Unter den Zuhörerinnen in Freuds Vorlesungen an der Wiener Universität war auch die Anarchistin Emma Goldmann, doch erst 15 Jahre später, 1910, wurde die erste Frau in die Wiener Psychoanalyti-sche Vereinigung gewählt, die Ärztin Margarethe Hilferding. Die Namen Hermine Hug-Helmuth und Sabine Spielrein sind verbunden mit internen Skandalen, Hug-Helmuth weil sie 1924 von ihrem Neffen erwürgt wurde, Spielrein, weil sie in einem analytisch-erotischen Dreieck mit Freuds Kronprinzen Carl Gustav Jung eingespannt war – ebenso wie später die hochintelligente und bildhübsche Loe Kann.
Loe Kann war die erste Frau des Freud-Biographen Ernest Jones, eine eigenständige, reiche und großzügige Frau, die sich in ihrer Analyse bei Freud nicht dessen spekulativen Grundannahmen über den Ursprung der Neurosen anschließen konnte. Das Scheitern dieser und vieler anderer Analysen lag offenbar mit daran, dass Freud Aussagen Glauben schenkte, die bestimmt nicht wahr waren und daneben auch wiederum Dinge nicht hat glauben wollen, die gewiss stimmten. Freuds Versuch, schwer haltbare theoretische Vorannahmen durchzusetzen, führte immer wieder zu Missstimmungen, bis hin zum Abbruch von Analysen.
Von strahlender Unabhängigkeit erscheint uns da Lou Andreas-Salomé, die 1912 zum Studium der Psy-choanalyse nach Wien kam und damals 51 Jahre alt war, gut aussehend und ungemein reich. Freud war der Patriarch einer Art Großfamilie aus realen Familienmitgliedern, Patientinnen und Patienten, Förde-rern und Unterstützern, doch er wäre es nicht gewesen ohne die starke finanzielle Unterstützung von Mitarbeitern und Bewunderern beiderlei Geschlechts. Als Mann mit weitreichenden Plänen konnte er großzügige Frauen mit einem gut gefüllten Bankkonto gut gebrauchen.
In Andreas-Salomé glaubte Freud einen Prototyp des Narzissmus gefunden zu haben. Die Narzisstin ist für Freud der echte und reinste weibliche Typus, damals noch nicht eingeschwärzt durch seine spätere Darstellung der Frau als misslungener Mann. Die Narzisstin ist beneidenswert, selbstzufrieden, ähnlich einer distanzierten und selbstgenügsamen Katze.
Als Lou Andreas-Salomé 1912 in Wien eintraf, ging ihr der Ruf einer unerschrockenen und selbstsiche-ren Schriftstellerin voraus. Vor allem ist Andreas-Salomé als Freundin berühmter Persönlichkeiten in Erinnerung. Sie war eng bekannt oder befreundet mit Friedrich Nietzsche, Rainer-Maria Rilke, Gerhart Hauptmann und dem sozialistischen Politiker Georg Ledebour, dem Regisseur Max Reinhardt, Frank Wedekind, Marie von Ebner-Eschenbach, Arthur Schnitzler und vielen anderen. In den nächsten 25 Jahren hatte Andreas Salome die Rolle einer unentbehrlichen Helferin und Gesprächspartnerin für Freud inne. Sie half ihm bei der Analyse seiner Lieblingstochter Anna, wobei sie stärker von Spiritualität, Ganzheit und Sehnsucht erfüllt war, als Freud. Andreas-Salomé pries sich glücklich, eine Frau zu sein, und betrachtete – umgeben von lauter überragenden Männern – Frauen als das höherstehende und glücklichere Geschlecht. Sie wurde eine hervorragende und einfühlsame Psychologin. Sie hatte das Leben auf ihrer Seite, wie Rilke formulierte.
Die Psychoanalyse erschien ihr wie eine Weihnachtsbescherung, wie ein großartiges Spielzeug, mit dem sie sich in ihr eigenes Leben versenken konnte. Wenn Freud in dieser Zeit den weiblichen Narziss-mus beschreibt, meint man Andreas-Salomé vor sich zu haben. Ein unabhängiges, selbstzufriedenes und beneidenswertes sowie schönes Wesen – und zwar beneidet vom Mann, weil er der Theorie zufolge nicht in den ursprünglichen Narzissmus zurückkehren kann und damit zum Unglücklichsein verdammt ist. Obwohl sie einiges an seinen Schriften auszusetzen hatte, war Freud für Andreas-Salomé der große Lehrer, der rationalistische Erforscher des Irrationalen. In der Psychoanalyse sah sie eine Methode, in der die Bedeutung und Würde des Einzelnen lebendig werden. In ihren letzten Lebensjahrzehnten arbeitete sie viel psychoanalytisch, reiste nur noch wenig und lebte mit ihrem angetrauten Mann. „Es ist gleichgültig, welches Schicksal man hat, wenn man es nur wirklich lebt”, hatte sie einst zu Anna Freud gesagt. Andreas-Salomé starb am 5. Februar 1937.
Umfassend und im Urteil gerecht ist auch das Kapitel über Freuds jüngste Tochter Anna, die ihren Va-ter von allen Töchtern am meisten liebte und treu zu ihm hielt, die sein Sprachrohr wurde, ihn pflegte und sein Vermächtnis bewahrte, die in der Jugend meinte, dumm und unbeholfen zu sein, aber in der Erwachsenenzeit einen starken Charakter offenbarte. Freud hing an seiner jüngsten Tochter wie an seinen Zigarren. Anna, die ehelos blieb, füllte eine eindrucksvollere Rolle aus als die seiner Gattin Martha, nämlich die der engsten Kollegin des Meisters. Blieb sie unverheiratet, weil bei so einem Vater es ein Abstieg bedeutet hätte, sich an einen geringeren Mann zu binden? Sie wurde Lehrerin und interessierte sich für die Erziehung gestörter und sozial benachteiligter Kinder und Jugendlicher, Anliegen, mit denen sie später Erfolg hatte. Dorothy Burlingham wurde Annas lebenslange Freundin und Partnerin, als Dorothy nach Wien kam, um ihre Kinder analysieren zu lassen. Mit den zwei Kindern von Dorothy trat Anna in die Rolle der Erziehenden ein. Die Burlinghams zogen in die Berggasse 19, wo Anna Freud, die nie selbst Mutter war, in der Rolle als Freundin und Familienhelferin brillierte. Finanziert von Dorothy wurde eine kleine Schule mit 20 Kindern eingerichtet, die fünf Jahre lang existierte.
Anna Freud leistete Großartiges für die Kinderpsychologie, stand aber in ständiger Konkurrenz zu Melanie Klein, die ihre jeweiligen, einseitigen Beobachtungen fast schon religiös verteidigte. Dank der modernen Säuglingsforschung wissen wir heute, dass die Klein’sche Schule zumindest in einem Punkt Recht hatte: Das Kind hat von Anfang an differenzierte Beziehungen zur Mutter und ist nicht, wie Anna Freud meinte, in autoerotischer Lustbefriedigung verfangen.
Nach der erzwungenen Flucht aus Wien 1938 und der Ankunft in London zog Dorothy Burlingham zu Anna nach Maresfield Gardens, und Anna eröffnete die mit amerikanischem Geld finanzierte Child-ren’s Rest Center-Klinik (auch Hampstead Nurseries genannt), die 30 Jahre lang ihre wichtigste Wirkungsstätte bis zu ihrem Tod wurde. Geschädigte Kinder aus den verschiedenen Milieus wurden behandelt und zugleich unterrichtet und eine Verbindung zwischen Kindertherapie und Familienleben geschaffen. Es kam ein Kindergarten hinzu, eine Krabbelkindergruppe und eine medizinisch-psychologische Mütterberatungsstelle. Dorothy leitete auch eine Abteilung für blinde Kinder. Anna wurde freier ihrem Vater gegenüber und schrieb, dass die kindliche Entwicklung nicht nach den Phasen der Triebentwicklung oral, anal, phallisch gesehen werden könne. Bei aller Verehrung für ihren Vater war sie doch nicht mehr der Meinung, dass die Psychoanalyse ein Allheilmittel sei.
Helene Deutsch, geboren 1884, wurde durch ihr Buch Psychologie der Frau (zwei Bände 1944/45) be-kannt, einem ersten umfassenden Überblick über die psychische-weibliche Entwicklung, die noch ganz im Banne der Freud’schen Orthodoxie steht. Andererseits war sie nie wirklich der Psychoanalyse hörig. Als sie in der psychoanalytischen Bewegung als Ärztin wichtige Funktionen übernahm, achtete sie da-rauf, dass die analytische Methode nicht zu starr vermittelt wurde. Heilung war möglich, aber das beruhe nur zum geringsten Teil auf der Aufdeckung infantiler Libidofixierungen oder auf dem Übertragungsagieren. 1934 siedelte sie nach den USA um und war dort aktiv in der Bostoner psychoanalytischen Gesellschaft. Sie starb 98-jährig 1982.
Für die Beziehungen nach Frankreich war Marie Bonaparte zuständig, eine Urgroßnichte Kaiser Napole-ons I., Gattin des Prinzen Georg von Griechenland und Erbin des riesigen, in Monte Carlo investierten Vermögens. 43-jährig absolvierte sie eine Therapie bei Freud, später leistete sie einen entscheidenden Beitrag zum Aufbau der französischen Psychoanalyse und spielte eine wichtig Rolle in den ersten Debatten der französischen Psychoanalytiker. Bonaparte nahm das Kastriertenschicksal wörtlich, sie ließ sich mehrmals am Unterleib operieren, ohne dass ihre sexuelle Empfindsamkeit gesteigert werden konnte. Wie viele andere Frauen in Freuds Umgebung, war Bonaparte eine starke Persönlichkeit, unabhängig und reich, die sich mit der einengenden Rolle einer Ehefrau nur schlecht abfinden konnte. Wiederholt rettete sie Freuds psychoanalytischen Verlag vor dem Untergang. Sie war eine loyale und äußerst großzügige Freundin. Wie erfolgreich ihre Analyse bei Freud war, ist wie immer schwer zu beurteilen.
Für die Verbreitung der analytischen Lehre in England waren zwei Frauen mit ihren Übersetzungen maßgeblich verantwortlich, Joan Riviere und Alix Strachey. Was ihre Leistungen, vor allem ihre Aufsätze und Bücher betrifft, waren sie keineswegs bloß farblose Gestalten, die im Schatten des großen Mannes standen, und sie waren keine passiven Opfern einer überwältigend magischen Autorität. Nicht alle hatten das Format einer Marie Bonaparte oder die klinischen Erfahrungen einer Helene Deutsch. Aber sowohl die Analytikerinnen Ruth Mack Brunswick, Jeanne Lampl de Groot und Kata Levy als auch Annas Freundinnen Eva Rosenfeld, Marianne Kris, Anny Rosenberg Katan, Dorothy Burlingham, Edith Jackson und Muriel Gardiner, die ebenfalls mehr oder weniger zu Freuds engerem Kreis gehörten, schließlich auch die amerikanische Schriftstellerin Hilda Doolittle zeichneten sich durch eine geistige Unabhängigkeit und ein berufliches Engagement aus, wie es damals nur selten anzutreffen war. Trotz seiner konventionellen und fragwürdigen Äußerungen über die Weiblichkeit bevorzugte Freud in seinem engeren Umfeld Frauen, die dem Frauenbild seiner Zeit kaum entsprachen.
Im 14. Kapitel „Freud und die Weiblichkeit: Theoretische Untersuchungen” geht es noch einmal um die Entwicklung der Idee vom Penismangel als anatomisches Schicksal der Weiblichkeit. Diese Passagen Freuds sind heutzutage schwer zu verdauen, sie wurden zu Recht heftig kritisiert, und die Unterstützung dafür hielt sich beständig in engen Grenzen. Freud verstand es immerhin meisterhaft, psychoanalytische Debatten zu entfachen, selbst wenn ihre empirische Basis dünn war. Ihm wurde vorgeworfen, seine Theorie von der weiblichen Minderwertigkeit solle dazu dienen, der männlichen Neigung zur Herabsetzung und Unterdrückung des Weibes eine theoretische Rechtfertigung zu verschaffen. Ein weiteres Kapitel beleuchtet minutiös die Argumente Pro und Kontra, wobei nicht nur Melanie Klein noch einmal zu Wort kommt, sondern auch die Einwände und Überlegungen männlicher Psychoanalytiker.
Das 16. und letzte Kapitel legt dar, wie vor allem der amerikanische Feminismus die Freud’schen The-sen auseinandernahm und sie als die stärkste konterrevolutionäre Kraft in der Bewegung der Geschlechterpolitik einordnete. Einerseits schätzten Feministinnen seine Kritik an der sozialen und sexuellen Unterdrückung der Frau, andererseits hielten sie jedoch seine schriftlich niedergelegten Ansichten für Beispiele einer tradierten patriarchalischen Frauenmissachtung.
Es gibt wohl kein besseres Buch über das Thema Psychoanalyse und Weiblichkeit als dieses. Es ist her-ausragend recherchiert, wunderbar klar geschrieben und in einer Ausführlichkeit, dass es sich für ein Nachschlagwerk eignet, auf das man immer zurückgreifen können wird.