Uexküll – Psychosomatische Medizin – Theoretische Modelle und klinische Praxis

Datum: 13.03.2017

Autor: Karl Köhle et al. (Hrsg.)

Rezensent:  Gerhard Danzer

Karl Köhle et al. (Hrsg.): Uexküll – Psychosomatische Medizin – Theoretische Modelle und klinische Praxis. 8. Auflage, Elsevier-Verlag München 2017, 1240 Seiten.

Vor wenigen Monaten ist die Bibel der deutschsprachigen Psychosomatik, „der Uexküll“, in der nunmehr achten Auflage erschienen. Wenn man die Fülle der darin behandelten theoretischen und klinischen Themen sowie die lange Reihe der prominenten Beiträger zu diesem Standardwerk bedenkt, erahnt man (zumindest tut dies jeder, der selbst schon einmal Sammelbände oder Monographien verfasst hat), welche unendliche Mühe, Geduld, Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit sowie intellektuell-geistige Arbeit in einem derartigen Mammutunternehmen steckt.

Es wäre unlauter, einzelne Artikel oder Kapitel dieses Buches als besonders wertschätzend herauszustellen. Die Leistung dieses Werks ist (natürlich neben den qualitativ überwiegend exzellenten Einzelbeiträgen) vor allem darin zu erkennen, dass darin die Idee und das Konzept einer integrierten Psychosomatik überzeugend dargelegt wird. Psychosomatik erstreckt sich nicht auf einzelne, ausgewählte Krankheitsbilder, die man als Psychosomatosen bezeichnen könnte, und für die sich Fachärzte der Psychosomatik zuständig fühlen sollten.

Psychosomatik ist vielmehr eine Haltung und Einstellung innerhalb der Gesundheitsversorgung, die neben Ärzten alle in der Medizin Tätigen betrifft, und die sich auf die Diagnostik und Therapie von allen Patienten (gleichgültig, mit welcher Erkrankung sie zu kämpfen haben) wie auch auf die Ätiologie und Pathogenese von allen Krankheits- und Gesundheits-Zuständen bezieht. Sie (die psychosomatische Einstellung und Haltung) besagt, dass in der Medizin eine biperspektivische Simultan-Diagnostik und -Therapie, die sowohl die biomedizinischen als auch die psychosozial-soziokulturellen Aspekte von Krankheit und Gesundheit erfasst und gegebenenfalls behandelt, generell (also bei allen Patienten und allen Erkrankungsarten) realisiert werden soll.

Diese Einstellung und Haltung, die man auch als personale Medizin (und Psychologie) bezeichnen kann, wird im neuen Uexküll wiederum auf mustergültige Art und Weise exemplifiziert. Weil alle Medizinstudierende (ebenso wie die Studierenden der klinischen Psychologie) diese Haltung bereits im Studium erlernen dürften, sollte bald eine preiswertere Ausgabe der achten Auflage des Uexküll als Studienausgabe erscheinen